19.06.2019 | Geld & Recht Steigende Gebühren: So teuer wird künftig eurer Girokonto

Die Kosten für Girokonten steigen. Die Postbank hat für Herbst eine Preiserhöhung angekündigt, auch weitere Banken könnten nachziehen. Wir haben für euch nachgefragt.

Foto: Angelika Warmuth/dpa

Filialbank-Kunden müssen künftig mit höheren Kontoführungsgebühren für Girokonten rechnen. Grund sind die aktuell niedrigen Zinsen und die dadurch sinkenden Einnahmen. Als prominentes Beispiel hat bereits die Postbank angekündigt ab Oktober die Kontoführungsgebühren zu erhöhen.

Die Postbank betreut nach eigenen Angaben 13 Millionen Kunden und hat damit nach den Sparkassen und den Volks- und Raiffeisenbanken den drittgrößten Kundenstamm in Deutschland. Das beliebteste Kontomodell "Postbank Giro plus" soll nun ab dem 01. Oktober 2019 statt bisher 3,90€ nun 4,90€ pro Monat kosten. Auch der Preis für beleghafte Überweisungen wird erhöht - hier werden künftig 1,90€ pro Überweisung fällig.

Auch bei der Deutschen Bank hat man von der Erhöhung mitbekommen und plant nach SZ-Informationen auch hier Preiserhöhungen. Betroffen sein sollen die Konten mit dem Markennamen "Deutsche Bank". Sowohl für Privat-, als auch für Geschäftskunden könnte das Girokonto künftig also teurer werden. 

Doch wie schaut es bei den anderen Banken oder Sparkassen aus? Schließlich sorgen Preiserhöhungen bei der Konkurrenz oft dazu, dass auch andere Banken ihre Preise anpassen. 

Wir haben bei den bayerischen Sparkassen nachgefragt:
  • Statement des Sparkassenverbands

    "Die Sparkassen in Bayern machen ihre Entgeltfindung von ihren eigenen betriebswirtschaftlichen Erfordernissen abhängig, nicht von Entscheidungen der Mitbewerber", so eine Sprecherin des Sparkassenverbands Bayern. Gebührenerhöhungen sind aktuell nicht geplant. Jedoch ist jede der 65 Sparkassengruppen in Bayern eigenständig und kann somit die Preise selbst bestimmen. Aus diesem Grund haben wir stichprobenartig bei den Sparkassen in Bayern nachgefragt.

  • Beispiel Sparkasse Aichach-Friedberg

    "Grundsätzlich haben die Preise der Konkurrenz keine Auswirkungen auf die Sparkassenpreise", so eine Sprecherin des Unternehmens. Preiserhöhungen sind daher aktuell nicht geplant, aber diese sind auch nicht auszuschließen. Die Preisgestaltung macht die Sparkasse Aichach-Friedberg immer an den aktuellen technischen und rechtlichen Entwicklungen fest. 

  • Beispiel Sparkasse Aschaffenburg-Alzenau:

    Die Sparkasse Aschaffenburg-Alzenau erhöht zum 01. August 2019 die Preise. Je nach Kontomodell werden künftig 0,30€ und 1,00€ mehr pro Monat fällig. Zudem steigen die Preise für Telefonbanking und die Nutzung des SB-Terminals. Diese Preiserhöhung wurde aber bereits vor der Ankündigung der Postbank beschlossen. 

  • Beispiel Sparkasse Allgäu:

    Die Sparkasse Allgäu hat zuletzt am 1. Januar 2017 ihre Preise für Privatkunden erhöht. Aktuell sind keine weiteren Erhöhungen geplant.

  • Beispiel Sparkasse Bamberg

    Die Sparkasse Bamberg reagiert nicht auf Preiserhöhungen der Konkurrenz und hat zum jetzigen Zeitpunkt auch keine Preiserhöhungen geplant. Die letzte Preisanpassung wurde im Jahr 2017 vorgenommen.

  • Beispiel Sparkasse Bad Kissingen

    Für Sparkassenkunden in Bad Kissingen wurden die Preise erst zum 01. April 2019 erhöht. In diesem Zuge wurden auch die Preise für beleghafte Buchungen und Telefonüberweisungen erhöht. Zuvor wurden die Kontoführungsgebühren seit 2009 nicht verändert.

  • Beispiel Sparkasse Berchtesgadener Land

    Die Sparkasse Berchtesgadener Land will nicht auf die Preiserhöhung der Postbank reagieren. Zugleich verteidigte ein Sprecher die steigenden Kontoführungsgebühren und verwies auf die anhaltende Niedrigzinsphase. Davon seien aber alle Banken und Sparkassen betroffen. Zuletzt wurden die Preise am 01. April 2019 erhöht. Die Sparkasse Berchtesgadener Land gibt seinen Kunden aber immer eine Preisgarantie für mehrere Jahre.

  • Beispiel Sparkasse Erlangen

    Die Sparkasse Erlangen schließt Preiserhöhungen für dieses Jahr aus. Aufgrund rückläufiger Zinseinnahmen und eines steigenden Aufwands sind aber für kommendes Jahr (2020) Erhöhungen geplant. Über den genauen Umfang der Preisanpassungen ist aber noch nichts bekannt.

  • Beispiel Sparkasse München

    Die Sparkasse München hat bereits zum 01. Januar 2019 die Kontoführungsgebühren für Privatkunden erhöht. Daher sind derzeit keine weiteren Preiserhöhungen für Kontodienstleistungen geplant.

  • Beispiel Sparkasse Passau

    Zuletzt wurden die Kontoführungsgebühren 2016 bei der Sparkasse Passau erhöht. Seitdem gab es immer mal wieder kleinere Gebührenerhöhungen. Die Sparkasse Passau überprüft seine Preise aber regelmäßig. 

  • Viele Sparkassen sehen aktuell keinen Bedarf einer Erhöhung

    Der Großteil der Sparkassen in unserer Stichprobe haben ihre Preise bereits zwischen 2016 und 2018 das letzte Mal erhöht und sehen daher aktuell keinen Bedarf. Kurzzeitige Preiserhöhungen sind aber bei den Sparkassen nicht auszuschließen. Auf unsere Anfrage hin heißt es: "Der Markt wird regelmäßig überprüft."

Das planen andere Banken:
  • Volks- und Raiffeisenbanken in Bayern

    Die 236 bayerischen Volksbanken und Raiffeisenbanken in Bayern sind genau wie die Sparkassen eigenständig für die Preisgestaltung zuständig. Konkrete Erhöhungen sind dem Genossenschaftsverband Bayern daher nicht bekannt. Hier empfehlen wir euch, euren Bankberater auf das Thema Gebührenerhöhung anzusprechen. 

  • Commerzbank

    Die Commerzbank plant in nächster Zeit keine Preiserhöhungen und verweist in unserer Anfrage auf das angebotene kostenlose Kontomodell. Dieses soll auch weiterhin kostenlos bleiben. 

  • HypoVereinsbank

    Für Personen über 26 Jahren bietet die HypoVereinsbank seit Juli 2016 kein kostenloses Girokonto mehr an. Zuletzt wurden im April 2017 die Preise erhöht. 

Banken dürfen Extragebühr am Schalter kassieren

Bereits gestern (18.06.2019) kam der Bundesgerichtshof in Karlsruhe zum Entschluss, dass Banken und Sparkassen fürs Abheben und Einzahlen am Schalter eine Extra-Gebühr kassieren dürfen. Die genauen Hintergründe könnt ihr hier nachlesen

Mehr zu Gebühren bei den Banken