30.03.2022 | Gesundheit Darum sind manche Menschen immun gegen das Coronavirus

Trotz hoher Inzidenzen, engem Kontakt zu Corona-Infizierten und ansteckenden Varianten stecken sich manche Menschen nicht mit dem Virus an. Woran liegt das? Die Wissenschaft bietet verschiedene Erklärungsansätze. Hier lest ihr das Wichtigste.

Foto: Sebastian Gollnowdpa

Einige Menschen haben sich trotz aller Vorsichtsmaßnahmen schon mehrmals mit dem Coronavirus infiziert. Andere sind bislang ohne Infektion durch die Corona-Pandemie gekommen. Woran liegt das?

Human-Challenge aus Großbritannien

Vor einem Jahr sorgte ein Coronavirus-Projekt des Imperial College London für Diskussion. Für die sogenannte Human-Health-Studie hatten sich 36 junge Menschen zwischen 18 und 30 Jahren weder geimpft noch genesen, absichtlich dem Coronavirus ausgesetzt, indem sie sich geringe Menge einer ursprünglichen Virusvariante des Coronavirus in die Nase tropfen ließen. Daraufhin kamen die Probanden für zwei Wochen in Quarantäne, wurden medizinisch überwacht und immer wieder auf das Virus getestet. Anschließend folgten zwölf weitere Monate der Beobachtung.

Ergebnis der Studie

Nur die Hälfte der Testpersonen steckte sich tatsächlich mit dem Coronavirus an und hatte entsprechende Symptome. Diese traten im Schnitt etwa zwei Tage nach der Infektion auf. Das ist deutlich früher als bei den ersten Infektionswellen beobachtet. 

Was ist die Ursache?

Eine Rolle soll neben dem Alter der Person auch das Erbgut einer Person spielen. Relevant sei laut Carsten Watzl, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie der sogenannte ACE-2-Rezeptor. Sars-CoV-2 dockt an diesem Rezeptor mit seinem Spike-Protein an. Dabei wird das genetische Material des Virus in die Zelle eingeschleust, wo es sich daraufhin vermehrt.

"Da die Menschen genetisch nicht gleich sind, können minimale Variationen bei Höhe, Breite, Tiefe oder Ähnlichem beim Gen für den ACE-2-Rezeptor auftreten. Und die können zur Folge haben, dass das Spike-Protein bei Herrn X besser auf den ACE-2-Rezeptor passt als bei Frau Y. Das hat zur Folge, dass Herr X sich leichter ansteckt als Frau Y."

Denkbar wäre auch, dass eine bereits vorhandene Immunität gegen verwandte Erreger sie vor einer Infektion geschützt haben.

T-Zellen spielen wichtige Rolle

Was bei einer Corona-Infektion vor einer Erkrankung schützen kann, sind die kreuzreaktiven T-Zellen. Sie sind Teil des erworbenen Immunsystems. Diese speziellen weißen Blutkörperchen, die teils in Wechselwirkung mit den Antikörpern Aufgaben der Immunabwehr übernehmen, sind in der Lage, infizierte Zellen im Körper unschädlich zu machen. Damit verhindern sie, dass sich ein Virus weiter ausbreitet. Dass die T-Zellen allerdings einen vollständigen Schutz vor schweren Verläufen bieten, bezweifelt Watzl.

"Sie dominieren die Immunreaktion, passen aber eigentlich nicht ganz ideal auf das 'aktuelle' Spike-Protein, weshalb die Immunreaktion suboptimal ist."
Viruslast bedeutsam

Für die britische Human-Challenge-Studie sind alle Testpersonen der gleichen Virusmenge ausgesetzt worden. Das ist im Alltag nicht gegeben. Wie groß die Menge der Viruspartikel ist, die man selbst aufnimmt, hängt von der Dauer und der Art der Begegnung mit einem Infizierten ab. Je höher die Viruslast einer infizierten Person ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit sich anzustecken. 

Tageszeit spielt eine Rolle

Im Schlaf regeneriert sich unser Immunsystem. Deshalb ist die Wahrscheinlichkeit einer Virusinfektion am Morgen und Vormittag geringer als im weiteren Tagesverlauf.

Frauen weniger betroffen

Frauen haben ein stärkeres Immunsystem als Männer. Deshalb sind sie auch für eine Covid-19-Infektion weniger anfällig und sterben seltener daran.