17.05.2022 | Gesundheit Plötzlicher Kindstod: Mögliche Ursache gefunden

Ein gesundes Kind stirbt plötzlich im Schlaf - und keiner weiß, wieso. Die größte Angst, die Eltern bei Säuglingen haben. Doch nach langen Jahren der Ungewissheit ist nun wohl die Ursache für den plötzlichen Kindstod gefunden. Hier lest ihr alles Wichtige.

Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Der Zustand, der allgemein als Plötzlicher Kindstod, englisch SIDS (sudden infant death syndrome) bekannt ist, ist der ungeklärte Tod eines Säuglings im Schlaf. Doch nun haben australische Wissenschaftler in einer bahnbrechenden Studie einen neuen potenziellen Biomarker identifiziert. 

Was ist SIDS?

SIDS tritt in der Regel innerhalb der ersten sechs Lebensmonate eines Babys auf und geschieht im Schlaf. Nach Angaben des "Centers for Disease Control and Prevention" (CDC) wird der Tod von Säuglingen unter einem Jahr als SIDS bezeichnet und ist häufig auf physische Faktoren wie versehentliches Ersticken in der Schlafumgebung zurückzuführen. Obwohl die Rate der SIDS-Todesfälle seit den 90er Jahren zurückgegangen ist, da mehr Informationen zur Verfügung stehen, sterben hierzulande noch immer jährlich mehr als 100 Kinder den sogenannten "Plötzlichen Kindstod". Eltern sollten erkennen, welche Maßnahmen sie ergreifen können, um das Risiko, dass ihr Kind an SIDS stirbt, zu verringern, z. B. das Entfernen von Decken, Stofftieren und Kissen aus dem Bett ihres Kindes.

Was ist die Ursache für SIDS?

Eine neue Studie der australischen Schlaf-Wissenschaftlerin Dr. Carmel Harrington, könnte einige Antworten auf die Rätsel des Plötzlichen Kindstods geben. Die von australischen Forschern durchgeführte Studie ergab, dass Babys, die als SIDS-Todesfälle eingestuft wurden, niedrigere Werte eines Enzyms aufwiesen, das bei der Regulierung der Atmung eine Rolle spielen kann.

Was waren die Ergebnisse der Studie?

In den neuesten Ergebnissen sagten die Forscher, dass die Werte des Enzyms Butyrylcholinesterase (BChE), das als "ein wichtiger Zweig des autonomen Systems" bezeichnet wird, bei Babys, die an SIDS starben, niedriger waren als bei lebenden Säuglingen. Die Theorie der Forschenden um Harrington lautet demnach, dass, wenn die Atmung eines Säuglings im Schlaf stoppt, der Mangel am Enzym BChE dazu führt, dass das Baby nicht aufwacht oder sich regt und dann stirbt.

"Die bedingte statistische Analyse zeigte, dass in den Gruppen, in denen die Fälle als 'SIDS-Tod' gemeldet wurden, ein starker Hinweis darauf bestand, dass eine niedrigere BChE-spezifische Aktivität mit dem Tod assoziiert war, während es in den Gruppen, in denen ein 'Nicht-SIDS-Tod' gemeldet wurde, keinen Hinweis auf einen linearen Zusammenhang zwischen BChEsa und Tod gab", 

heißt es in der Studie.

Skepsis an Ergebnissen

Nach Ansicht von Rachel Moon, einer SIDS-Forscherin an der Universität von Virginia, ist das große Interesse an der Studie zwar verständlich, aber nicht gerechtfertigt.

"Daran ist überhaupt nichts Definitives", 

so Moon. 

Sie wies darauf hin, dass die Studie sehr klein war - sie umfasste Blutproben von 67 Säuglingen, die starben, und 10, die überlebten. Moon sagte, das Ergebnis der Studie beweise nicht unbedingt, dass das Enzym für SIDS verantwortlich sei oder eine Rolle beim Tod eines Säuglings spiele. Und obwohl es Unterschiede zwischen den Enzymwerten der beiden Gruppen von Säuglingen gab, gab es auch genügend Überschneidungen in den Blutspiegeln von Betroffenen und Kontrollgruppen. Eben dies würde es schwierig machen, einen genauen Bluttest zu entwickeln, um festzustellen, ob ein Säugling Werte des Enzyms aufweist, die mit SIDS in Verbindung stehen, sagte Moon. Dr. Gabrina Dixon, Direktorin für die Förderung der Vielfalt in der akademischen Pädiatrie am Children's National in Washington, sagte, die Studie sei interessant.

"Aber ich würde sie noch nicht als etwas Besonderes bezeichnen. Es könnte vielversprechend für künftige Forschungen sein, aber die Zahl der Kinder in dieser Studie ist so klein, dass man viel mehr Zahlen braucht, um sagen zu können, dass es das ist, was es ist."

First Candle, eine nationale Organisation, die sich für die Beseitigung schlafbezogener Todesfälle bei Säuglingen einsetzt und Familien unterstützt, begrüßte die Forschungsergebnisse, mahnte aber auch zur Vorsicht.

"Dies ist ein Fortschritt, und deshalb sollten wir optimistisch sein, aber es ist nicht die ganze Antwort", sagte CEO Alison Jacobson in einer Erklärung. "Unsere Sorge bei der Entwicklung eines Tests für die Anfälligkeit für SIDS ist, dass Eltern ein falsches Gefühl der Sicherheit bekommen und unsichere Schlafpraktiken anwenden."

Optimismus von Studienleiterin

Harrington, die nicht nur die Studie leitete, sondern auch den Verlust ihres eigenen Babys durch SIDS vor fast drei Jahrzehnten miterlebte, sagte in der Pressemitteilung, dass Gesundheitsexperten bis jetzt nicht wussten, was den Mangel an Erregung bei Säuglingen verursacht. 

"Jetzt, da wir wissen, dass BChE eine Rolle spielt, können wir damit beginnen, die Folgen für diese Babys zu ändern und SIDS der Vergangenheit angehören zu lassen."

Hier könnt ihr die gesamte Studie lesen:

Studie SIDS

Das könnte euch auch interessieren: