06.02.2019 | Verbraucherschutz Neues Tierwohl-Label: Welche Qualitätssiegel wirklich Sinn machen

​Ein neues Siegel soll Verbrauchern zeigen, wie Tiere, dessen Fleisch wir kaufen, gehalten, transportiert und geschlachtet wurden. Das sogenannte Tierwohl-Label wurde jetzt vorgestellt. Die Begeisterung hält sich aber in Grenzen. Was das neue Logo aussagt und welche Siegel Verbraucherschützer als am aussagekräftigsten einstufen, erfahrt ihr hier.

Foto: Ralf Hirschberger/ZB/dpa

Mehr Bewegung, Stroh, Auslauf: Ein neues Siegel soll Verbrauchern beim Fleischkauf bald signalisieren, wenn Tiere höhere Standards bei der Haltung hatten. Doch die Anforderungen stoßen prompt auf Kritik, aber der Reihe nach.

Ab nächstem Jahr: Darauf zielt das Tierwohlkennzeichen

Supermarktkunden sollen Schweinefleisch aus besserer Tierhaltung ab 2020 an einem neuen staatlichen Logo erkennen können. Das „Tierwohlkennzeichen“ soll von der Geburt bis zur Schlachtung höhere Standards über den gesetzlichen Pflichten garantieren, wie Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) in Berlin sagte. Dazu gehören mehr Platz im Stall und Vorgaben für Transporte.

Kritik von Tierschützern: Label ist nicht verpflichtend

Das Logo soll es in drei Stufen mit jeweils steigenden Anforderungen geben. Umwelt- und Verbraucherschützer und die Opposition monierten, dass die Vorgaben für Landwirte nicht verpflichtend sein sollen. Klöckner sagte: „Wir sorgen dafür, dass mehr Tierwohl sichtbar wird in den Regalen.“ Künftig könne sich jeder Verbraucher bewusst dafür entscheiden, ob er mehr Geld für mehr Tierwohl ausgeben möchte. Das Kennzeichen solle dafür „überprüfbare, anspruchsvolle“ Kriterien vorgeben, die freiwillig teilnehmende Bauern einhalten müssen.

Siegel mit drei Stufen: Das sind die Mindestanforderungen

In der ersten Label-Stufe sollen Schweine demnach 20 Prozent mehr Platz im Stall haben als gesetzlich vorgeschrieben. Das bedeutet zum Beispiel für ein Tier mit 50 bis 110 Kilogramm 0,9 statt 0,75 Quadratmeter. Weitere Vorgaben beziehen sich unter anderem auf Auslauf sowie Stroh, Heu oder Sägespäne als Beschäftigungsmaterial statt vielfach üblicher Ketten und Plastikbälle

Ferkel sollen mindestens 25 Tage statt wie gesetzlich vorgeschrieben mindestens 21 Tage Säugezeit bei der Mutter haben. Transporte zum Schlachthof dürfen demnach höchstens acht Stunden dauern - gesetzlich zulässig sind bis zu 24 Stunden. Geplant sind Regelungen zu regelmäßigen Kontrollen. Um das neue Logo bekannt zu machen, ist eine Werbekampagne für 70 Millionen Euro vorgesehen.

Hofreiter von den Grünen schimpft: Brauchen kein Wischi-Waschi-Label

Die Verbraucherzentralen begrüßten die Vorlage des lange überfälligen Konzepts, nannten die Verbesserungen aber zu gering. Die in Stufe 1 vorgesehenen 20 Prozent mehr Platz reichten nicht aus, um von mehr Tierwohl zu sprechen. Der Deutsche Tierschutzbund kritisierte, die erste Label-Stufe sei „Verbrauchertäuschung“ und verdiene den Namen Tierwohl nicht. Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter sagte: „Wir brauchen kein weiteres Wischi-Waschi-Label, sondern eine verbindliche und verständliche Kennzeichnung.“ 

Klöckner verteidigte das Vorgehen auf freiwilliger Basis. Sie verwies darauf, dass regionale Produktion gehalten werden solle. Sonst liefe es auf mehr Importe hinaus, ohne Einfluss auf dortige Standards. 

Supermärkte wollen im Frühjahr selbst aktiv werden

Schon vor dem Start des staatlichen Logos 2020 wollen mehrere Supermarktketten im April eine eigene Fleisch-Kennzeichnung zur Haltungsform starten. Das vierstufige System beginnt aber bereits mit dem gesetzlichen Standard.

Top 3 der aussagekräftigsten Siegel auf Lebensmitteln

Der Siegel-Wahnsinn geht also weiter. Deshalb hat ANTENNE BAYERN bei Ernährungsberaterin Daniela Krehl von der Verbraucherzentrale Bayern nachgefragt, welche Ernährungssiegel wirklich Sinn machen und auf die sich Verbraucher verlassen können.

1. Das staatliche Bio-Siegel

Das staatliche Bio-Siegel wurde bereits 2001 in Deutschland eingeführt. Das sechseckige Zeichen kann zusätzlich zum EU-Bio-Logo (grünes Blatt) verwendet werden. Das Sechseck ist zwar veraltet, oft wird es neben dem EU-Siegel aber weiterhin verwendet, weil das alte Siegel noch so bekannt beim Verbraucher ist.

Es handelt sich um ein unabhängiges kontrolliertes und standardisiertes Siegel. Laut Verbraucherschützern kann man hier sicher gehen: „Es ist drin, was drauf steht.“

Foto: Staatliches Biosiegel (links) und EU-Bio-Siegel (rechts)
2. Das Regional-Fenster

Oft wird mit Regionalität geworben, obwohl viele Fragen offen bleiben. Das Regionalfenster bietet viele und detaillierte Informationen darüber, wo ein Lebensmittel herkommt. Anbieter müssen dieses Siegel beantragen, wenn sie es auf ihren Produkten haben wollen.

Bevor es auf ein Produkt kommt, wird dieses sehr streng kontrolliert. Als Verbraucher sieht man genau darauf, was regional an diesem Produkt ist.

Foto: Regionalfenster
3. Das Ohne-Gentechnik-Siegel

Das Ohne-Gentechnik-Siegel ist mittlerweile vor allem im Milchmarkt stark vertreten. Käufer können sich laut Verbraucherschützern gut darauf verlassen, denn die Kriterien sind neutral und klar definiert.

Foto: Ohne Gentechnik-Siegel