29.05.2019 | Verkehr & Mobilität Abbiegeassistenten für Lkw: Farce um lebensrettende Technik für Radfahrer?

Jede zweite Woche passiert ein tödlicher Unfall, weil ein Lkw-Fahrer einen Fahrradfahrer übersieht - der berüchtigte tote Winkel. Die Technik, um solche Tragödien zu verhindern, gibt es längst: den Lkw-Abbiegeassistenten. Er sollen aber erst in fünf Jahren zur Pflicht werden. Daraus resultiert das nächste Problem: Denn diese Pflicht gilt nicht für alle.

Foto: Arno Burgi/dpa-Zentralbild/dpa

Eine der jüngsten Tragödien liegt erst wenige Tage zurück. Am Montag (20.05.) kam ein 11-jähriger Radfahrer ums Leben, nachdem er von einem Lkw-Fahrer beim Abbiegen übersehen wurde. Der Junge wurde von dem Lastwagen beim Rechtsabbiegen erfasst. 

Eine Woche nach dem furchtbaren Unfall haben am Dienstag (28.05.) in München hunderte Radfahrer demonstriert, und zwar vor der Mercedes-Benz-Niederlassung in der Arnulfstraße. Die Demonstranten hatten sich für den Ort entschieden, weil es ein Mercedes-Benz-Lkw war, der den jungen Radler überfahren hatte.

Im Rahmen der Demo forderten die Protestierenden den sofortigen serienmäßigen Einbau von Abbiege-Assistenz-Systemen, die den Lastwagen durch einen Piepston warnen oder sogar automatisch stoppen. Warum solche technischen Helfer nicht längst Pflicht sind, können vor allem diejenigen nicht verstehen, die immer wieder mit tödlichen Radler-Unfällen zu tun haben. 

Einführung der Abbiegeassistenten: Woran hakt es?

Die Technik, um solche Unfälle zu verhindern, gibt es längst. Aber die wenigsten Lastwagen sind mit Abbiegeassistenten ausgestattet. Erst in fünf Jahren, ab 2024, soll die Technik Pflicht für alle neuen Lastwagen und Busse werden. Die alten Fahrzeuge dürfen aber auch dann immer noch ohne rumfahren. Brummi-Fahrer Anton aus Illertissen hat sich bei ANTENNE BAYERN gemeldet und würde eine Pflicht für alle Lkw-Lenker begrüßen. Er appelliert aber auch an seine Kollegen.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hatte im Sommer 2018 eine Aktion Abbiegeassistent gestartet für eine freiwillige Einführung von Abbiegeassistenzsystemen. Immerhin statten viele Unternehmen ihre Flotten inzwischen mit den System aus, zum Beispiel Aldi, Lidl und Edeka. Sven Gobiet, Betriebsleiter des Logistikzentrums der Rewe Group in Eching, ist von der Technik ebenfalls überzeugt. Es gebe viel positives Feedback, so Gobiet im ANTENNE BAYERN-Interview.

Bundesregierung möchte keinen Alleingang in der EU

Passiert ist darüber hinaus bisher wenig. Eine Übergangsregelung kommt für das Verkehrsministerium nicht in Frage, ein „deutscher Alleingang“ gehe rechtlich nicht, so die Begründung. Die Grünen bestreiten das und fordern, dass nur noch Lastwagen mit Abbiegeassistent in die Städte dürfen. Technisch ist das Nachrüsten kein Problem. Ein System, das Lkw-Fahrer durch ein Piepsen warnt, wenn ein Radler oder Fußgänger neben ihm ist, kostet circa 1.500 Euro.

Verhalten von Fahrradfahrern: Das rät Verkehrsexperte

Bis es endlich mehr Lkw mit zuverlässigen Assistenzsystemen gibt, bleibt nur eins: den Kindern das Richtige mit auf den Weg geben. Heiner Sothmann ist Experte für Verkehrssicherheit und gibt Tipps für das Verhalten von Fahrradfahrern im Straßenverkehr, insbesondere mit Blick auf abbiegende Lastwagen.