13.02.2019 | Verkehr & Mobilität Führerscheinprüfung: Immer mehr fallen durch – wie würdet ihr abschneiden?

Stoppschild ignoriert, Zebrastreifen überfahren, falsch abgebogen. Der Anteil der Durchfaller bei der praktischen und theoretischen Führerscheinprüfung steigt. Auch bei uns in Bayern. Woran liegt das? Erfahrt hier mehr über die Ursachen und wie ihr selbst bei der Prüfung abschneidet würdet.

Foto: Marius Becker/dpa

Der Fahrlehrer auf dem Beifahrersitz, der Prüfer auf der Rückbank und am Lenkrad die Person mit dem höchsten Stresslevel: der Führerscheinprüfling. Fahranfänger können offenbar immer schlechter mit der Prüfungssituation umgehen. Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamts zeigen, dass die Durchfallerquoten erneut gestiegen sind.

Bundesweit zeigt sich dieser Trend seit Jahren. Bei der Theorieprüfung aller Pkw-Klassen lag die Quote 2017 bei 39 Prozent (2016: 37 Prozent). Bei der praktischen Prüfung für den Autoführerschein fielen 32 Prozent der Anwärter durch (Vorjahr: 31 Prozent) - das waren 432.037 nicht bestandene praktische Prüfungen.

Bayern: Jeder vierte Prüfling fällt durch praktische Prüfung

Auch bei uns in Bayern bestehen immer weniger Prüflinge die Führerscheinprüfung beim ersten Versuch. Den neuesten Zahlen zufolge bestanden 35,9 Prozent (+ 2,3 Prozent) der Prüflinge den theoretischen Teil nicht beim ersten Versuch. Die Durchfallerquote bei der praktischen Führerscheinprüfung lag bei 25,4 Prozent. In Bayern gab es 5,6 Prozent mehr theoretische und 1,9 Prozent mehr praktische Prüfungen.

Bayern liegt mit vergleichsweise wenigen nicht bestandenen Prüfungen unter dem deutschlandweiten Durchschnitt.

+++Führerschein-Prüfung: Wie würdet ihr abschneiden? +++

Immer mehr rasseln durch: Die Suche nach Gründen

Verkehrsexperten haben keine eindeutigen Antworten zu möglichen Ursachen. „Wir stochern noch etwas im Nebel“, sagt Hendrik Pistor, Referatsleiter für junge Kraftfahrer beim Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR). Klar ist: Höhere Durchfallquoten sind ein internationaler Trend. Und sie haben die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) auf den Plan gerufen. Deren Forscher wollen die Zahlen nun unter die Lupe nehmen.

These 1: Fahrlehrer sind schuld

Es gibt nicht wenige Fahrschüler, die nach einer nicht bestandenen Prüfung behaupten: „Ein anderer Fahrlehrer hätte mich besser auf meine Prüfung vorbereitet.“ Die Prüfung selbst sei nicht schwieriger geworden, betont Vincenzo Lucà, Sprecher des Tüv Süd, der für Bayern und Baden-Württemberg die Prüfer stellt. Letztere müssen oft als Sündenbock herhalten; doch Lucà nimmt die ausgebildeten Ingenieure in Schutz: „Man lässt keinen Prüfling einfach so durchfallen.“

Was die Fahrlehrer betrifft, so überwiege die Zahl guter Kollegen. Doch die qualitative Palette sei breitgefächert. Dieter Quentin, Vorsitzender der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände verweist auf eine „sehr gute“ Ausbildung in Deutschland, die eine breitere pädagogische Schulung einschließt. „Die Europäer beneiden uns um die Fahrlehrer- und Fahrausbildung.“ Dennoch sieht er auch immer „Luft nach oben.“

These 2: Verkehr ist komplexer als früher

„Ein Grund könnte natürlich sein, dass der Verkehr deutlich komplexer geworden ist, sagt Pistor. Das sehen ADAC, Tüv und Fahrlehrer genauso. Fahrschüler bräuchten mehr Schulung und die Fahrlehrer häufig andere pädagogische und vielleicht auch psychologische Fertigkeiten als früher, meint Verkehrspsychologin Claudia Happe. Inwiefern Angst eine Rolle spielt, will sie anhand eines Fragebogens herausfinden, den sie gerade entwickelt. Fahrlehrer führen die erhöhten Durchfallquoten unter anderem auf mehr nicht-deutschsprachige Bewerber zurück. Die hätten neben Sprachproblemen oft auch mit einer anderen Verkehrskultur zu kämpfen.

These 3: Führerschein ist nicht Prio 1

Turbo-Abi, Freizeitstress, Wechsel in den Job - junge Leute sind „konkurrierenden Anforderungen“ ausgesetzt, weiß der ADAC. Der Führerschein laufe nebenher. Er sei nicht mehr Priorität Nummer Eins auf der To-do-Liste, beobachtet Verbandschef Quentin. „Doch einen Führerschein macht man nicht nebenbei.“ Ist der Führerschein mit 17 zu früh? Das weisen die Experten einmütig zurück. „17-Jährige fallen weniger durch und fahren später sicherer“, unterstreicht Quentin.

These 4:  Zeitdruck und Geld

Für TÜV-Sprecher Lucà könnte die Durchfall-Quote zudem etwas mit Zeitdruck zu tun haben. „Ein Führerschein kostet Geld. Man versucht, früh an den Schein zu kommen.“ Denn mit mindestens 1.800 bis 2.200 Euro im Schnitt ist der Autoführerschein schon im ersten Anlauf ein teures Vergnügen. Für Durchfaller kommen Kosten für weitere Fahrstunden dazu, eine erneute TÜV-Prüfungsgebühr - in Bayern und Baden-Württemberg für die Praxisprüfung 91,75 Euro - und Anmeldekosten, die Fahrschulen berechnen.

These 5: Ablenkung Smartphone

Verkehrspsychologin Happe geht einem anderen Verdacht nach: «Ein wichtiger Aspekt könnte sein, dass das digitale Interesse ausgeprägter zu sein scheint als das Interesse für das Verkehrsgeschehen.» Früher schauten Jugendliche als Beifahrer raus, heute schauen sie auf das Smartphone. «Dadurch könnte der Bezug zum Verkehr verloren gehen», warnt sie.