09.10.2018 | Verkehr & Mobilität Wildunfall - was tun? Wie verhalte ich mich richtig und wer zahlt?

Jeden Tag gibt es in Deutschland rund 750 Autounfälle mit Wildtieren. Im vergangenen Jahr gab es so viele Wildunfälle wie noch nie. Und da die Tage jetzt wieder kürzer und mehr Menschen in der Dämmerung unterwegs sind, steigt die Gefahr. Wir haben Verhaltenstipps und wichtige Infos für euch:

Artikelbild: Hauke-Christian Dittrich/dpa

So viele Wildunfälle wie noch nie

2017 wurden den Autoversicherern rund 275.000 Wildunfälle gemeldet – so viele wie nie zuvor! Das zeigt die Wildunfall-Statistik des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungs­wirtschaft (GDV). Heißt: Im Schnitt kollidieren jeden Tag rund 750 Wildtiere mit Autos

Dabei ist die Gefahr in Bayern statistisch noch größer als in anderen Bundesländern. Laut der Wildunfall-Statistik des Deutschen Jagdverbands (DJV) gab es 2016/2017 in Bayern fast 49.000 Fälle von Fallwild (Tiere, die durch nicht-jagdliche Einwirkungen - überwiegend durch den Straßenverkehr - zu Tode gekommen sind). In Thüringen hingegen gab es nur rund 4.500 Fälle.

Im kurzen Überblick:  Verhaltenstipps und wichtige Infos zu Wildunfällen in unserer Bildergalerie! Beispielsweise auch: Wer zahlt bei einem Wildunfall und muss ich jeden Zusammenstoß mit einem Tier melden?

Wildunfall - eine unterschätzte Gefahr

Wenn im Herbst die Tage wieder kürzer werden, die Sonne später auf und früher unter geht, dann sind nicht nur mehr Autofahrer in der Dämmerung, sondern auch mehr Wild am Straßenrand unterwegs. Seit drei Jahren zeigt sich ein Trend zu mehr Kollisionen und höheren Schäden. Im vergangenen Jahr wurden der GDV 11.000 Wildunfälle mehr gemeldet als noch 2016. Die Versicherer leisteten für jeden Unfall durchschnittlich rund 2.700 Euro. Insgesamt stiegen die wirtschaftlichen Schäden durch Wildunfälle um rund 62 Millionen Euro auf 744 Millionen Euro (plus 9 Prozent).

Straßen voller Futter: Unfallrisiko steigt

Nach Angaben der Deutschen Wildtier Stiftung ist die Gefahr in diesem Jahr besonders groß, in einen Wildunfall verwickelt zu werden. „Denn nach dem heißen Sommer tragen die Eichen, die häufig am Rand von Straßen wachsen, übermäßig viele Früchte. Was davon herunterfällt, lockt viele Wildtiere direkt auf die Fahrbahn“, sagt Wildtierexperte Dr. Andreas Kinser.

Dazu kommt die Zeitumstellung! Am 28. Oktober wird die Uhr auf die Winterzeit zurückgestellt. Wildexperten schätzen, dass es in der dunklen Jahreszeit alle 2,5 Minuten zu einer Blech-Wild-Kollision kommt. Denn dann fällt der Berufsverkehr mit der Dämmerung und damit den besonders aktiven Phasen des Wildes zusammen.

Was tun, wenn plötzlich Wild auf der Straße auftaucht?

Zu aller erst, gilt es die Warnschilder vor Wildwechsel ernst zu nehmen und die Fahrweise entsprechend anzupassen: Besonders in der Dämmerung das Tempo reduzieren und am Rand von Wäldern oder Feldern abbremsen. Wenn dann wirklich Wild auf der Straße oder am Straßenrand auftaucht, sollten Autofahrer das Fernlicht abblenden und hupen, so die Versicherer. Riskante Ausweichmanöver unbedingt vermeiden. Steuer gerade halten und kontrolliert bremsen. Denn der Zusammenprall mit einem Auto im Gegenverkehr oder gar einem Baum birgt in der Regel größere Gefahren als die Kollision mit dem Tier.

Was tun NACH einem Wildunfall?

Wenn es wirklich einmal zu einem Wildunfall bei euch kommen sollte, rät der GDV zu folgenden Verhaltenstipps:

    1. Unfallstelle sichern: Warnblinklicht einschalten, Warndreieck aufstellen.
    2. Die Polizei benachrichtigen.
    3. Ein verletztes oder getötetes Tier möglichst nicht anfassen. Das Bergen des Tieres ist Aufgabe des Försters oder Jagdpächters.
    4. Fotos vom Unfallort, vom Tier und vom Fahrzeug machen. Das ist hilfreich für eine schnelle Schadenbearbeitung.
    5. Eine Wildunfallbescheinigung von Polizei, Förster oder Jagdpächter ausstellen lassen.
    6. Den Versicherer anrufen, bevor die Wildspuren beseitigt sind oder das Fahrzeug repariert, verschrottet oder verkauft wird.
Wer zahlt bei einem Wildunfall?

Wenn ihr einen Wildunfall hattet und dadurch Schäden an eurem Fahrzeug durch Rehe oder Wildschweine entstanden sind, dann begleicht den eure Teilkasko- oder Vollkaskoversicherung. Das gilt allerdings nicht, wenn ihr ein Ausweichmanöver gemacht habt und dadurch mit einem anderen Auto oder Baum verunfallt seid. Die Haftpflicht zahlt leider gar keine Schäden an eurem Auto durch Wildunfälle; sie zahlt lediglich Schäden, die in der Umgebung etwa an einer Leitplanke dadurch entstanden sind! Außerdem gut zu wissen: Auf euren Schadenfreiheitsrabatt hat ein Wildschaden keinen Einfluss. Das heißt: Ihr werdet in eurer Versicherung nicht hochgestuft!

Gibt es eine Meldepflicht für Wildunfälle?

In den meisten Bundesländern seid ihr verpflichtet einen Wildunfall zu melden, so auch in Bayern! Ansonsten begeht ihr eine Ordnungswidrigkeit und es können Bußgelder in Höhe von 5.000 Euro fällig werden. Vorausgesetzt es handelt sich um größere Wildtiere. Ein Zusammenstoß mit einem Kaninchen fällt zum Beispiel nicht darunter. 

Fahrerflucht bei Wildunfällen?

Wenn ihr mit einem Tier zusammenstoßt und euch einfach von der Unfallstelle entfernt, verstoßt ihr gegen das Tierschutzgesetz und es könnten auch hier hohe Geldstrafen drohen.

Blaue Reflektoren am Straßenrand: Maßnahme gegen Wildunfälle nutzlos

Die inzwischen weit verbreiteten blauen Reflektoren am Straßenrand können die Zahl von Wildunfällen einer Studie zufolge nicht verringern. Bei einer Untersuchung der Universität Göttingen auf 150 Teststrecken in den Landkreisen Göttingen (Niedersachsen), Höxter (Nordrhein-Westfalen) sowie Kassel und Lahn-Dill in Hessen hätten sich die Reflektoren als wirkungslos erwiesen, sagt der Waldökologe Christian Ammer.

Die Studie entstand im Auftrag der Unfallforschung der Versicherer (UDV). Die Kosten für die Reflektoren könne man sich sparen, unterstrich UDV-Leiter Siegfried Brockmann. Die Hoffnung, das von Autoscheinwerfern reflektierte Licht könne Wildtiere von der Straßen abhalten, habe sich zerschlagen. 

Für ihre Studie haben die Göttinger Forscher zusammen mit Kollegen von der Universität Zürich etwa 10 000 Stunden Videomaterial ausgewertet, das sie mit Infrarotkameras an den zwei Kilometer langen Teststrecken aufgenommen haben. „Dabei wurden etwa 1600 Begegnungen zwischen Tieren und Fahrzeugen dokumentiert“, sagte Waldökologe Ammer. „Für das Verhalten der Tiere spielte es keine Rolle, ob sich an den Strecken blaue Wildreflektoren befanden oder nicht“, sagte Ammer.

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