19.05.2022 | Deutschland Tarifverhandlungen für soziale Berufe: Gibt es nun mehr Geld für Beschäftigte?

Die Tarifverhandlungen für rund 330.000 kommunale Kita-Erziehungskräfte und andere Beschäftigte in sozialen Berufen sind vorbei. Ob die Betroffenen nun aufatmen können, lest ihr hier.

Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Für rund 330 000 Beschäftigte im kommunalen Sozial- und Erziehungsdienst soll es künftig einige Extras geben. Nach zähen Tarifverhandlungen erzielten Gewerkschaften und Arbeitgeber am späten Mittwochabend, dem 18. Mai 2022,  eine Einigung. Warnstreiks sind damit vom Tisch.

Was wurde beschlossen?

Kommunale Kita-Erziehungskräfte und andere Beschäftigte in sozialen Berufen dürfen sich auf mehr Geld und Freizeit freuen. Die Gewerkschaft Verdi und der Beamtenbund dbb haben sich nach rund zwölf Stunden Verhandlung mit den kommunalen Arbeitgebern auf zusätzliche Entlastungstage und monatliche Zulagen geeinigt.

Was seht konkret in der Vereinbarung?

Die Vereinbarung sieht vor, dass die Beschäftigten zunächst pro Jahr pauschal zwei zusätzliche freie Tage erhalten. Sie sollen künftig außerdem die Option haben, Teile ihres Gehalts in maximal zwei weitere Entlastungstage umzuwandeln. Damit wären jährlich bis zu vier zusätzliche Erholungstage für die Beschäftigten drin. Die Option, Geld in freie Tage umzuwandeln, bezieht sich konkret auf eine neue Zulage, die die Beschäftigten ab Juli erhalten sollen:

Neben den zusätzlichen freien Tagen bekommen Erzieherinnen und Erzieher dann monatlich 130 Euro mehr. Für Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter gibt es ab Juli 180 Euro zusätzlich. Und die Berufserfahrung im Sozial- und Erziehungsdienst soll bald genauso honoriert werden wie bei den übrigen Beschäftigten im öffentlichen Dienst.

Die Zeit, die die Beschäftigten in einer Gehaltsstufe bleiben, bevor sie in die nächste aufsteigen, soll zum 1. Oktober 2024 an die allgemeinen Stufen im öffentlichen Dienst angepasst werden. Damit steigen die Gehälter künftig schneller als bisher. 

Das Tarifergebnis hat eine Laufzeit von fünf Jahren, bis zum 31. Dezember 2026.

Wer profitiert davon?

Von der neuen Vereinbarung profitieren Beschäftigte in allen Bundesländern - außer in Berlin. In der Hauptstadt haben nach Verdi-Angaben andere Tarifregelungen Vorrang. Die Gewerkschaften gehen aber davon aus, dass die Ergebnisse auch auf Beschäftigte anderer Bereiche "ausstrahlen" dürften.

Wie zufrieden sind die Betroffenen?
"Das ist den Kolleginnen und Kollegen in den Sozial- und Erziehungsdiensten zu verdanken, die in den vergangenen Tagen und Wochen gekämpft und gestreikt haben",

sagte der Verdi-Vorsitzende Frank Werneke am Mittwochabend. Die Einigung sei "gegen die erheblichen Widerstände der kommunalen Arbeitgeber gelungen". Sie sei "ein weiterer maßgeblicher Schritt, um die Berufe im Sozial- und Erziehungswesen attraktiver zu machen und wirksam gegen Fachkräftemangel vorzugehen". Auch dbb-Verhandlungsführer Andreas Hemsing äußerte sich zufrieden über das Ergebnis:

"Mit diesem Abschluss haben wir das Berufsfeld aufgewertet, das werden die Kolleginnen und Kollegen direkt im Geldbeutel spüren."

Die Präsidentin der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA), Karin Welge, sprach von einem "guten und gelungenen Kompromiss", bezeichnete das Ergebnis aber auch als "Herausforderung für die kommunalen Arbeitgeber". Die VKA geht davon aus, dass sich allein durch die neuen Zulagen die Personalkosten der kommunalen Arbeitgeber um jährlich rund 3,7 Prozent erhöhen werden. Dennoch äußerte sich Welge erleichtert über den Abschluss. Er sei "ein eindeutiges Zeichen dafür, dass wir die oft herausragende Leistung unserer Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst durch eine faire und wertschätzende Vergütung würdigen", sagte Welge.

Wie geht es nun weiter?

Mit dem Durchbruch, der zunächst als unwahrscheinlich galt, wurden weitere Warnstreiks im kommunalen öffentlichen Sozial- und Erziehungsdienst vorerst abgewendet. Verdi will seine Mitglieder in den kommenden Wochen noch über die Tarifeinigung entscheiden lassen. Den Angaben zufolge gilt es als sehr wahrscheinlich, dass der Vertrag angenommen wird. Die nächsten regulären Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst stehen im Januar 2023 an. Die kommunalen Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst können dann auf weitere Verbesserungen hoffen.

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