19.01.2022 | Nachrichten ​Kommt schon bald die vierte Impfung? Wie es in Sachen Impfstoff weitergehen könnte

Mittlerweile haben mehr als 33 Millionen Bundesbürger eine Boosterimpfung erhalten. Doch gegen die Omikron-Variante ist die Wirkung geringer als erwartet, das wird bei den vielen bekannten Impfdurchbrüchen deutlich. Deshalb wird jetzt über eine mögliche vierte Impfung diskutiert. Doch erste Studien aus Israel lassen an der Wirksamkeit zweifeln.

Foto: Matias Basualdo/ZUMA Press Wire/dpa

Die meisten Menschen in Deutschland haben gerade erst ihre Drittimpfung erhalten und sich boostern lassen. Doch die starke Ausbreitung der Omikron-Variante, in der auch vermehrt Impfdurchbrüche auftauchen, veranlasst die Politik und die Medizin über eine vierte Impfung nachzudenken.

Einer von ihnen ist der Münchner Corona-Experte und Chefarzt an der München Klinik Schwabing Clemens Wendtner. Er mahnt zur zügigen Vorbereitung - für ihn wäre eine Viertimpfung vier bis sechs Monate nach der dritten Spritze eine adäquate Maßnahme. Doch weil die Datenlage noch nicht ausreichend ist, gibt es auch noch keine Empfehlung der Ständigen Impfkommission zu einer möglichen vierten Impfung.

Auf einen angepassten Omikron-Impfstoff zu warten, ist für Wendtner keine gute Lösung. Er befürchtet, dass die Entwicklung zu lange dauern würde, weil vor April nicht mit neuen Impfstoffen zu rechnen sei.

Biontech/Pfizer: Entwicklung auf eigenes Risiko

Genau so einen angepassten Impfstoff entwickeln gerade Biontech/Pfizer. Ende Januar sollen erste Studien dazu starten.

"Wir gehen davon aus, dass wir bis März für eine Belieferung des Marktes bereit sind, wenn die behördlichen Genehmigungen vorliegen."
Biontech-Chef Ugur Sahin

Dabei hat die Europäische Arzneimittelbehörde EMA bislang noch nicht erklärt, ob sie einen an Omikron angepassten Impfstoff überhaupt für nötig hält. Die Entwicklung passiert also auf eigenem Risiko, das sagt auch Pfizer Konzernchef Albert Bourla. Zwar wisse er nicht, ob das Mittel gebraucht werde oder wie es verwendet werden soll, aber das Unternehmen "werde bereit sein". Bis Ende März sollen bis zu 100 Millionen Dosen des neues Impfstoffs bereitstehen.

Studie aus Israel wirft Zweifel auf

In Israel ist man schon einen Schritt weiter – dort wurde in den vergangen Wochen tatsächlich die Viertimpfung gestartet – für bestimmte vulnerable Gruppen. Menschen mit Immunschwäche, Menschen ab 60 Jahren und medizinisches sowie Pflegepersonal für Senioren haben dort den zweiten Booster erhalten.

Kommt eine Viertimpfung für alle überhaupt infrage?

Eine erste Studie liefert ein ernüchterndes Ergebnis: Eine vierte Impfung ist demnach nicht ausreichend gegen die Omikron-Variante. Man beobachte auch bei vierfach Geimpften Ansteckungen, sagte Professor Gili Regev vom Schiba-Krankenhaus bei Tel Aviv. Zwei Wochen nach einer vierten Dosis des Präparats von Biontech/Pfizer sei zwar ein „schöner Anstieg“ der Antikörper zu beobachten. Deren Zahl liege sogar etwas über dem Wert nach der dritten Impfung. „Aber für Omikron ist dieser schöne Wert nicht genug.“ Regev betonte, es handele sich um Zwischenergebnisse der Studie, sie wollte daher auch keine genaueren Zahlen nennen.

Trotz Doppel-Booster: Weiterhin Ansteckungen

Rund 150 Teilnehmer der Studie hatten vor zwei Wochen eine vierte Dosis des Vakzins von Biontech-Pfizer erhalten. Vor einer Woche erhielten dann 120 weitere Teilnehmer nach drei Dosen Biontech/Pfizer eine vierte Impfung mit Moderna. Es sei weltweit der erste Versuch mit einer vierten Impfung mit kombinierten Vakzinen. Die Ergebnisse beider Gruppen nach einer Woche seien sehr ähnlich. Es sei kein erheblicher Unterschied zu sehen. 

Finale Ergebnisse dieser Studie werden in den nächsten Wochen erwartet. Sie könnten richtungsweisend sein, wie es in Sachen Impfung weiter geht.