12.03.2018 | Blog Geheimakte OEZ 3. Recherche-„Beifang“: ZDF-Reporterin wurde von Behörden abgehört

Sie telefonierte und schrieb SMS. Woher ich das weiß? Weil sie belauscht wurde und weil ich die Abhörprotokolle zugespielt bekam.

Eine Reporterin des ZDF versuchte ebenfalls, ein Interview mit Uwe F. zu führen – der Mann, der im Darkweb mutmaßlich eine wichtige Rolle spielte, der einen Anschlagsplan gegen Bundeskanzlerin Angela Merkel schmiedete und der selber eine Waffe bei dem Mann kaufe, der auch dem OEZ-Amoktäter seine Pistole lieferte. Die Reporterin bekam aber nur einen Termin mit Uwe F.s Vater. Sie telefonierte und schrieb SMS. Woher ich das weiß? Weil sie belauscht wurde und weil ich die Abhörprotokolle zugespielt bekam.

Beim ZDF finden sie das nicht besonders schlimm. Die Reporterin sei ja nicht das Ziel der Abhöraktion gewesen, sondern nur „Beifang“. Das stimmt wohl. Allerdings kann man streiten, ob alles, was danach passierte, noch rechtmäßig war. Die Gespräche mit der Reporterin wurden niedergeschrieben, in eine Akte geheftet und deutschlandweit von Behörde zu Behörde herumgeschickt.

Die Polizeieinheit, die da lauschte, scheint übrigens einen gewissen sarkastischen Humor zu mögen. Sie gab sich den sinnigen Namen „EG Orwell“, nannte sich also nach dem Autor eines der nach meinem Geschmack besten politischen Romane ever, „1984“.

Uwe F. war übrigens ein ungewöhnlicher Interviewpartner. Wir sprachen über eine Stunde miteinander. Er ist drahtig, spricht schnell und viel, denkt ausgesprochen fix und erzählt ganz offen, was niemand so erwarten würde. Über seine Waffen, eine ziemlich krasse Hausdurchsuchung morgens um 4 oder sein Treffen mit dem Waffenhändler.

Podcast Geheimakte OEZ: Episode 1

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